Die Kartenlegung für den Oktober aus meinen Kartendecks
„Die Archetypen“, „Magisches geschehen lassen“ und „Meine wilden Pflanzenwesen“
Dein Leben darf weiter werden als dein bisheriges Weltbild

Die Weise – Erkennen, was ist, und dem ureigenen Wesen vertrauen
Der Oktober führt uns weiter nach innen. Das Licht verändert sich, die Tage werden kürzer, und die Natur verwandelt ihre Gestalt.
Auch in uns kann sich etwas verändern. Unser Körpergefühl. Unsere Wahrnehmung.
Die Art, wie wir auf unser Leben schauen.
Über dieser Legung steht die Weise.
Ihre Qualität durchzieht alle Ebenen: Sie hilft uns, unsere Vorstellungen zu erkennen, tiefer bei uns anzukommen und wahrzunehmen,
was sich gegenwärtig zeigt. In unserer Tiefe.
Sie fragt: Was halte ich für wahr? Was habe ich selbst erfahren?
Und welche Überzeugungen habe ich übernommen, ohne sie je zu prüfen?
Es gibt unterschiedlichste Wege, das Leben zu verstehen. Wissenschaft, Kunst, verschiedene Kulturen, spirituelle Erfahrung und menschliche Begegnung eröffnen verschiedene Zugänge. Die Weise erkennt, welcher Zugang einer Frage angemessen ist.
Eine gesellschaftliche Entwicklung können wir von innen nach außen und von außen nach innen verstehen: durch Innenschau und Einfühlung ebenso wie durch Forschung, Zuhören und das Erkennen größerer Zusammenhänge.
Die Weise weiß, dass diese Zugänge einander ergänzen und unsere Wahrnehmung vertiefen.
Auch unser eigenes Leben braucht unterschiedliche Formen des Verstehens.
Manchmal brauchen wir Wissen. Manchmal ein Gespräch. Manchmal ein Bild, Stille oder eine unmittelbare Erfahrung, die uns berührt, bevor wir Worte dafür haben.
Dabei weiß die Weise, dass schon unsere Fragen unseren Blick lenken.
Als Beispiel – Frage ich mich: Warum gelingt mir das nie?
Oder frage ich: Was braucht es jetzt, damit etwas möglich werden kann?
Frage ich: Wer hat recht? Oder frage ich: Was können wir voneinander lernen oder anerkennen?
Ihr Wunsch nach Erkenntnis darf größer werden als ihr Bedürfnis, recht zu haben.
Denn wir nehmen die Welt durch einen Filter wahr: durch unsere Geschichte, unsere Bedürfnisse, Ängste und Erwartungen. Solange wir diesen Filter nicht erkennen, können wir unsere persönliche Sicht mit der ganzen Wahrheit verwechseln.
Deshalb brauchen wir andere Menschen. Im Austausch werden Perspektiven und blinde Stellen sichtbar, die uns allein verborgen bleiben.
Weisheit bedeutet die eigene Wahrnehmung ernst zu nehmen und offen dafür zu bleiben, dass sie unvollständig ist. Wenn wir das Licht unseres Bewusstseins auf die Weise richten, erkennen wir auch ihren Schatten. Dort kann ihr Wissen starr werden. Die Suche nach Wahrheit verwandelt sich dann in Rechthaberei und das Streben nach Vollkommenheit. Zweifel, Gefühle und Verletzlichkeit dürfen kaum noch sein.
Doch eine gereifte Weisheit lässt unser Menschsein zu. Sie bleibt berührbar.
Vielleicht darf die Weise in diesem Monat auch darin erkannt werden. Wo verteidige ich meine Vorstellung?
Wo ist mein Wissen zu einer Grenze geworden? Kann ich mich noch von einer Erfahrung verändern lassen?
Wir dürfen unsere Einsichten und Visionen ausdrücken, ohne sie für endgültig erklären zu müssen.
Vielleicht begegnet uns morgen eine tiefere Erkenntnis. Eine vertraute Überzeugung erscheint dann in einem anderen Licht.
Auch unser Selbstbild verändert sich. „Ich bin diejenige, die alles trägt. Die immer versteht. Die stark sein muss. Die niemanden enttäuschen darf.“
Solche Vorstellungen können uns lange begleiten. Doch vielleicht spüren wir inzwischen, dass unser Leben weiter geworden ist als diese vertrauten Rollen.
Die Weise führt uns zu einer unmittelbaren Begegnung mit dem Gegenwärtigen. Sie erkennt, wie unsere Vorstellungen darüber, was sein sollte, unsere Wahrnehmung überlagern können. Vielleicht wünschen wir uns, anders zu sein. Oder erwarten, dass das Leben einem bestimmten Verlauf folgt.
Die Weise macht diese Maßstäbe sichtbar und eröffnet Raum, genauer hinzuschauen:
Was ist jetzt tatsächlich da?
Für mich geht es dabei um das Seinlassen. Ein Gefühl darf da sein. Ein Wunsch. Eine Unsicherheit.
Wir können ihnen begegnen, ohne sie fortwährend mit dem zu vergleichen, was wir angeblich fühlen, wissen oder erreicht haben müssten.
Unsere Orientierung wächst aus der Begegnung mit der wahren Natur des Gegenwärtigen. In meiner nondualen Sicht ist das zugleich eine Rückbesinnung auf das, was wir immer sind: Bewusstsein. Der Raum, in dem Gedanken, Gefühle und Erfahrungen erscheinen. Dieser Raum ist bereits da, auch während sich unsere Erfahrungen verändern. Darin liegt für mich ein ursprünglicher Halt.
Ich kann Unsicherheit halten, ohne mich selbst zu verlassen. Wir müssen nicht jede Antwort kennen, um gegenwärtig zu sein. Wenn wir erkennen, was geschieht, kann sich auch das Festhalten an einer Vorstellung von selbst lösen.
Eine tiefere spirituelle Erfahrung lässt sich nicht erzwingen. Wir können unseren Geist, unser Herz und unsere Wahrnehmung verfeinern. Lauschen. Empfänglich werden. Was sich dann erschließt, bleibt für mich ein Geschenk. Ein Wunder, über das wir nicht verfügen können.
Die Freiheit der Weisen verbinde ich mit Liebe und Lebensfreude. Sie erkennt größere Zusammenhänge und bleibt zugleich offen für diesen einen Augenblick.
Sie liebt, auch wenn sich etwas verändert. Sie genießt, auch wenn ein Moment vergeht. Wir dürfen lieben und geliebt werden. Kreativ sein. Unser Leben so mitgestalten, dass es uns entspricht. Freiheit und Freude dürfen darin einen selbstverständlichen Platz bekommen.
So wirkt die Weise über in der ganzen Legung: Im Rückzug vertieft sie unsere innere Orientierung.
In den Zwischenräumen verbindet sie Empfänglichkeit mit Unterscheidungsvermögen. Der Fantasie-Schöpferin eröffnet sie den Raum, aus dem Gegenwärtigen etwas Eigenes entstehen zu lassen. Auf der Pflanzenebene wird diese Weisheit sinnlich erfahrbar: als Geborgenheit im Frauenmantel, als Verwurzelung im eigenen Wesen durch das Ruprechtskraut und als Lebensfreude im Krokus.
Ihre Weisheit wird gelebt: im Schutz des Zarten, im Vertrauen auf unsere Wahrnehmung und in der Offenheit für das, was durch uns lebendig wird – auch dann wenn das Leben uns enttäuscht oder schmerzt.

Das „Magische Geschehenlassen“ im Oktober
Auf dieser Ebene begegnen uns der Rückzug, die Zwischenräume und die Fantasie-Schöpferin.
Gemeinsam erzählen sie von einer Bewegung: Wir kommen tiefer mit uns in Verbindung, werden empfänglich und geben dem, was wir wahrnehmen, einen eigenen Ausdruck.
Der Rückzug – Meine Weiblichkeit darf tiefer und weiter werden
Diese Karte habe ich während meiner Menopause gemalt. Damals wurde mir bewusst, dass sich meine Weiblichkeit verändern darf. Dass sie tiefer und weiter werden kann und sich mir ein neues Verständnis von ihr eröffnet. Damit veränderte sich auch meine Beziehung zum Leben. Ich konnte genauer spüren, was mir entspricht, und offener, ehrlicher und radikaler danach leben.
Auch im Rückzug begegnet uns die Weise. Sie lädt uns ein, unter die Oberfläche zu gehen. Zu erkennen, wo Erwartungen und äußere Geschehnisse unser Leben bestimmen, und unserer eigenen Wahrnehmung mehr Gewicht zu geben. Es gibt Situationen, in denen wir spüren: So verliere ich meine Balance. Ich brauche Abstand. Ruhe. Zeit, um mich selbst wieder wahrzunehmen. Vielleicht verändert sich gerade dein Verhältnis zu dir selbst. Dein Körpergefühl. Deine Weiblichkeit. Was früher selbstverständlich war, fühlt sich heute anders an. Was du lange mitgetragen hast, braucht eine neue Antwort. Dann darfst du ehrlich fragen: Was stimmt noch für mich? Was erschöpft mich? Was braucht Zeit? Und wo darf ich unabhängiger werden?
Diese Unabhängigkeit wächst aus der Verbindung mit dir selbst. Du kannst wahrnehmen, was außen geschieht, und zugleich bei deiner inneren Orientierung bleiben. Tiefer leben bedeutet, der eigenen inneren Wirklichkeit Raum zu geben. Alte Emotionen zu verstehen und Erfahrungen zu verarbeiten braucht Zeit. Auch unterschiedliche Anteile in uns dürfen zueinanderfinden: diejenige, die funktionieren musste, die Verletzliche, die Wilde und diejenige, die endlich leben möchte.
Im Rückzug können wir ihnen zuhören. Wahrnehmen, was da ist, ohne sofort etwas daraus machen zu müssen. In Beziehung gehen.
Und vielleicht zeigt sich dabei etwas Unerwartetes: Freude. „Da ist so viel Freude“, sprach der Rückzug und dehnte sich aus.
Es entsteht Platz. Wir können wieder atmen. Etwas Eigenes wird spürbar. Neues Leben darf sich ausdehnen.
Die Zwischenräume – Was noch keine Form hat
Im Mittelpunkt der Legung liegen die Zwischenräume. Sie erzählen von etwas, das noch nicht sichtbar ist. Vielleicht spürst du bereits eine Veränderung, kannst sie aber noch nicht benennen. Eine alte Orientierung trägt nicht mehr wie zuvor. Die neue hat noch keine klare Gestalt. Solche Zeiten können uns unruhig machen. Wir möchten wissen, wohin es geht. Möchten eine Erklärung, eine Entscheidung, einen Plan. Doch auch das Ungeformte hat seinen Raum im Leben. In den Zwischenräumen werden wir empfänglich. Vielleicht taucht eine Idee auf. Ein Bild. Eine Ahnung davon, wie du leben möchtest. Eine innere Vision, der du zuhören möchtest, auch wenn du sie noch nicht erklären kannst. Das Leben verändert sich fortwährend. Neue Möglichkeiten entstehen, und auch unsere Vorstellungen dürfen sich bewegen. Was gestern noch außerhalb unseres Blickfeldes lag, kann heute eine Bedeutung bekommen. In meiner spirituellen Wahrnehmung sind die Zwischenräume Orte, an denen uns etwas von dem berührt, was werden könnte. Hier zeigen sich feine, manchmal nichtlineare Verbindungen: durch einen Traum, eine Begegnung, einen Satz oder eine innere Bewegung beim Malen. Vielleicht erleben wir darin jene magische Führung, die uns an unsere Verbindung mit Erde und Kosmos erinnert. Mutter Erde trägt uns, während unser Bewusstsein sich öffnet.
Die senkrechte Mitte der Legung verbindet die Weise, die Zwischenräume und das Ruprechtskraut.
Darin liegt für mich etwas Wesentliches: Unsere Offenheit braucht Unterscheidungsvermögen und Boden. Wir dürfen empfangen und zugleich prüfen, was für uns stimmig ist. Wir dürfen weiter wahrnehmen und dabei im Hier und Jetzt bleiben. Die Weise erinnert uns hier daran, dem noch Ungeformten Zeit zu geben. Wir können es sein lassen und entdecken, welche Gestalt sich daraus entwickelt. So entsteht vielleicht eine neue Denkweise. Eine kreative geistige Beweglichkeit, die Zusammenhänge erkennt, wo wir bisher nur Getrenntes gesehen haben.
Auch gesellschaftlich und kollektiv erleben wir eine Zeit, in der neue Möglichkeiten entstehen. Technologien wie KI erweitern unsere Werkzeuge und werfen neue Fragen auf. Gerade deshalb bekommt die Weise Bedeutung: Wie gehen wir mit diesen Möglichkeiten um? Wofür setzen wir sie ein? Was hilft uns, klarer zu sehen und füreinander da zu sein? Viele Menschen erleben im Moment Unsicherheit, Traurigkeit und Orientierungslosigkeit. In diesem Miteinander braucht es unsere unverstellte Anwesenheit. Die Bereitschaft zuzuhören und wahrzunehmen, was ein Mensch gerade wirklich braucht. Vielleicht können die Zwischenräume so auch zu Brücken werden: zwischen Menschen, zwischen verschiedenen Sichtweisen, zwischen unserem irdischen Alltag und unserer Verbundenheit mit etwas Größerem.
Die Fantasie-Schöpferin – Das Leben drückt sich durch dich neu aus
Was wir in den Zwischenräumen empfangen, möchte durch die Fantasie-Schöpferin Ausdruck finden. Sie erinnert uns an unsere Vorstellungskraft. An das Kindliche, Spielerische und Kühne in uns. An die Fähigkeit, etwas zu sehen, das noch keine äußere Entsprechung hat. Vielleicht hast du gelernt, deine Fantasie vorsichtig zu behandeln. Vernünftig zu bleiben. Deine Träume an dem auszurichten, was bereits möglich erscheint. Doch wie soll etwas Neues entstehen, wenn es sich nur innerhalb des Bekannten bewegen darf? Die Fantasie-Schöpferin lädt dich ein, anders zu träumen. Ungewohnte Verbindungen zuzulassen. Einer inneren Vision Raum zu geben, auch wenn du noch nicht weißt, wie sie Wirklichkeit werden könnte. Dabei kann Schöpfung etwas ganz Alltägliches sein. Eine neue Antwort in einem Gespräch. Eine Veränderung in deinem Zuhause. Ein Bild. Eine Entscheidung, die deinem heutigen Empfinden entspricht.
In meiner nondualen Sicht bist du das Selbst, der Raum, in dem dieses schöpferische Geschehen auftaucht. Ideen entstehen, Formen verändern sich, etwas bekommt Gestalt. Diese Bewegung gehört zum Leben und darf für uns selbstverständlich werden. Beim Malen können wir das unmittelbar erfahren. Wir beginnen mit dem, was vorhanden ist: Farben, Papier, Materialien, Erinnerungen und Eindrücken. Durch unseren eigenen Blick, unsere Wahrnehmung und die Bewegung unserer Hände entsteht daraus etwas Eigenes, das zuvor für uns noch nicht da war.
Unser Weltbild wirkt darin mit. Und zugleich kann es sich im Gestalten erweitern, weil wir etwas entdecken, das wir vorher noch nicht gesehen haben.
Wenn wir uns vor allem an einem Vorbild, einem Bild auf Instagram, oder Pinterest oder an Perfektion orientieren,
kann dieser eigene Ausdruck in den Hintergrund treten. Vielleicht vergleichen wir jeden Pinselstrich bereits mit einem Bild davon, wie das Ergebnis sein sollte.
Die Fantasie-Schöpferin lädt uns ein, genauer hinzusehen: Was entsteht gerade tatsächlich?
Was berührt mich daran? Welche Bewegung möchte ich aufnehmen? Ihre Ausrichtung ist lebendiger, eigener Ausdruck. Du stehst heute an einem anderen Ort als vor zwanzig Jahren. Du hast gelebt, erfahren, verloren, gelernt. Dein Blick hat sich verändert. Vielleicht ist dein innerer Raum weiter geworden. Daraus kann eine neue schöpferische Kraft wachsen.
So wirken die drei Karten zusammen: Im Rückzug kommen wir tiefer bei uns an. In den Zwischenräumen empfangen wir. Durch die Fantasie-Schöpferin geben wir dem Wahrgenommenen Gestalt. Deine Seele möchte sich entfalten. Dafür braucht sie Raum.

Auf der untersten Ebene begegnen uns Frauenmantel, Ruprechtskraut und das Krokuswesen.
„Meine wilden Pflanzenwesen“ – Was geschieht auf der sinnlichen Wahrnehmungsebene?
Hier wird die Legung körperlich und sinnlich. Die Pflanzenwesen führen uns zur Erde, zu unserem eigenen Rhythmus und zur unmittelbaren Verbindung mit dem Leben. Sie berühren die Frage, wie wir unserem Wesen treu bleiben und uns zugleich geborgen und zugehörig fühlen können.
Frauenmantel – Die Hüterin der Urgeborgenheit
Der Frauenmantel legt seinen schützenden Mantel um das, was in dir wächst. Werden. Reifen. Gebären. All das braucht Zeit und einen Raum, in dem wir uns entlasten dürfen. Vielleicht fragst du dich gerade: Welche Informationen brauche ich tatsächlich noch? Was hilft mir, mich zu orientieren?
Und was macht mich nur voller? Der Frauenmantel lädt dazu ein, zu sortieren und einen milderen, ganzheitlicheren Blick auf dich selbst zu entwickeln.
In meiner Bildsprache ist sie die Alchemistin des Weiblichen und die Hebamme der inneren Frau. Sie berührt die Weisheit der weiblichen Ahnenlinie: das Wissen um Zyklen, Fürsorge, Reifung und die Kraft des Empfangens. Es geht um Empfangen. Was in dir werden möchte, darf genährt werden.
Vielleicht brauchst du dafür Sanftheit. Einen stillen Morgen. Eine Hand auf deinem Herzen. Einen geschützten Raum, in dem du nichts darstellen musst.
Der Frauenmantel erinnert dich daran, wie sich Geborgenheit anfühlen kann. In diesem Schutz darfst du genauer spüren, was deinem Wesen entspricht.
Auch die Weise darf hier weich werden. Sie muss nicht alles verstehen, bevor sie sich dem Leben anvertrauen kann. Was gerade in dir reift, darf seinen eigenen Rhythmus haben.
Ruprechtskraut – Verwurzelt im eigenen Wesen
In der Mitte der Pflanzenebene liegt das Ruprechtskraut. Unter den Zwischenräumen hält es die Verbindung zur Erde, zu deinem Körper und zu diesem Augenblick. In meiner Pflanzenwelt ist es der kleine Traumaheiler. Seine Signatur verbindet das Zarte, das Schutz braucht, und das Herz mit einer wilden Kraft, die klären und reinigen möchte. Ich ordne es dem Element Erde und dem Wurzelchakra zu: unserer Verwurzelung, unserem Halt und dem Gefühl, hier sein zu dürfen.
Für mich berührt dieses Wesen eine tiefe Erfahrung von Verlassenheit. Die Angst, abgelehnt oder verlassen zu werden, wenn wir uns so zeigen, wie wir sind. Vielleicht haben wir deshalb gelernt, uns anzupassen und etwas von unserer eigenen Wahrnehmung zurückzuhalten. Dann kann Zugehörigkeit mit einem schmerzhaften inneren Abstand verbunden sein: Wir bleiben bei den anderen und verlassen dabei uns selbst. Das Ruprechtskraut erinnert uns: Du musst dich nicht beweisen – in keinem einzigen Moment. Du darfst deinem Wesen treu bleiben. Zarte Seelen, die viel erlebt haben, dürfen ihre innere Wildkraft wiederfinden. Ihre feinen Sinne entfalten. Eigenständig und autonom leben und zugleich mit anderen verbunden sein. Du musst keiner Vorstellung folgen, die du innerlich nicht als stimmig erfährst. Auch in einer Gruppe darf deine Wahrnehmung ihren Platz behalten. Dafür braucht das Zarte in uns Schutz.
Zeit zum Spüren. Abstand, wenn zu viele Einflüsse auf uns einwirken. Eine Grenze, an der wir erkennen können: Was entspricht mir? Was möchte ich aufnehmen? Was übernehme ich aus Angst, sonst nicht dazuzugehören? Gerade wenn im Kollektiv Unruhe oder unüberlegtes Handeln sichtbar werden, dürfen wir innehalten. Unserem inneren Raum zuhören und prüfen, welchen Ideen wir folgen möchten.
Hier verbindet sich das Ruprechtskraut wieder mit der Weisen: Wir dürfen unserer Wahrnehmung vertrauen und zugleich erkennen, durch welche Erfahrungen sie geprägt ist. Jeder Mensch erlebt die Welt aus einer eigenen Perspektive und gestaltet aus ihr heraus mit. Wir können einander begegnen, ohne unsere innere Orientierung aufzugeben. Auch Gefühle dürfen sich zeigen, in dem Maß, in dem wir ihnen begegnen können. Wir dürfen Pausen machen und Unterstützung annehmen. Vielleicht wird dabei etwas verständlicher. Vielleicht entsteht ein neuer Blick auf uns selbst.
In meiner Deutung berührt der Oktober das Waage-Prinzip: immer wieder ein Gleichgewicht finden, während sich das Leben bewegt.
In Beziehung gehen – mit dem Leben – mit dem Menschsein – in der Gemeinschaft – in den Beziehungen.
Vielleicht liegt darin die tiefste Einladung des Ruprechtskrauts: dich wieder in dir selbst zu verwurzeln. Dein Zartes zu schützen. Deiner Wildkraft Raum zu geben. Und zu erfahren, dass du mit deinem eigenen Wesen hier sein darfst.
Krokuswesen – Die kokette Lichtbotin
Neben diesen schützenden Wesen leuchtet der Krokus auf. Die kokette Lichtbotin bringt einen lustvollen Ruf ins Leben. Sie erinnert an Staunen,
Sinnlichkeit und die Kraft eines Neuanfangs. Da ist ein Leuchten in dir, das nie ganz verschwunden ist. Vielleicht hat es sich zurückgezogen. Vielleicht war es lange von Sorgen und Erwartungen überlagert. Doch nun bekommt es wieder Raum.
Dieser Neuanfang wächst aus dem Menschen, der du heute bist. Aus deiner Veränderung, deiner Erfahrung und deinem inneren Wissen. Du darfst Hoffnung verkörpern. Leise, sinnlich und voller Lebenslust.
Ein Duft. Eine Farbe. Eine Berührung. Ein Augenblick, in dem du merkst: Ich bin da. Und ich mag dieses Leben.
Das Krokuswesen erinnert an die natürliche, eigenständige Bewegung in uns. An etwas Lebendiges, das seinen Platz finden möchte.
Vielleicht hast du früher viel von dir zurückgehalten, um dazugehören zu können. Heute darf eine andere Erfahrung hinzukommen: „Du gehörst ins Leben. Du gehörst in diese Welt.“ Auch mit deinem eigenen Rhythmus. Mit deiner Wahrnehmung. Mit dem, was durch dich Ausdruck finden möchte. Die Lebensfreude des Krokuswesens verbindet sich mit der Freiheit der Weisen. Freude darf da sein, ohne dass du sie dir erst verdienen musst. Du darfst dem Leben zugewandt sein und dich von ihm berühren lassen. So führt uns die Pflanzenebene von der Geborgenheit über die Verwurzelung im eigenen Wesen zur sinnlichen Lebensfreude.
Was geschützt und genährt wird, darf sich entfalten.
Die Essenz für den Oktober
Der Oktober lädt dich ein, dich auf den Weg in deine ureigene Freiheit einzulassen.
Die Verantwortung dafür zu tragen.
Unabhängig. Nicht isoliert – sondern verbunden.
So, wie du bist, gehörst du ins Leben.
Du musst dich keinen Erwartungen anpassen, die deinem Wesen nicht entsprechen.
Du bist hier, um wesentlich zu sein. Um dich auszudrücken. Und dieser Ausdruck darf in jedem Augenblick neu entstehen.
Der Schmerz, die Angst vor Ablehnung, vor dem Verlassenwerden und das Enttäuscht sein berühren viele von uns.
Sie dürfen Raum bekommen, ohne den Weg zu bestimmen.
In und mit deiner Verletzlichkeit darfst du dein wahres Wesen leben.
Deine Erfahrungen und die daraus gewachsenen Erkenntnisse und dein Mut Neues zu wagen, dürfen dich führen.
Sie sind deine innere Stärke – deine ureigene Handschrift.
Vielleicht wirkt genau darin die Weise: Du erkennst, was dir entspricht, vertraust deiner gewachsenen Tiefe und bleibst offen für das Neue,
das sich durch dich ausdrücken möchte.
Du wagst dich auf eine neue Erfahrungsebene – in deinen Beziehungen und in deinem Leben. Du zeigst dich dem Leben ganz.
Das ist bisweilen ernüchternd – pur. Aber es ist ganz. Und es ist echt.
Dir einen magischen Oktober,
Deine Shinaja
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Die zauberhaften Kartendecks für die Legung findest du hier:
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